Soforthilfe für Hilat Al Bir

Liebe Freunde von Hilat Al Bir,

während wir uns in Deutschland über erste schrittweise Lockerungen der Corona-Maßnahmen freuen, blicken wir mit Sorge in den Sudan.

Die Euphorie der Revolution, mit der das sudanesische Volk die 30-jährige Diktatur des Präsidenten Omar al-Bashirs gestürzt hat, ist verflogen. Die nach zähem Ringen gebildete Übergangsregierung aus ziviler Opposition und Militärführung arbeitet daran, das Land wiederaufzubauen, Korruptionsprozesse durchzuführen und Verwaltung, Justiz und Bildungssystem zu reformieren. Die mit Abstand größte Herausforderung ist jedoch die extrem schwierige wirtschaftliche Lage. Jeden Tag steigen die Preise, und nicht selten kommt es zu Streitereien wegen zusätzlicher 10 Cents. Die Menschen haben das Gefühl, ihre Lage verschlimmert sich täglich. Kaputte Straßen, geschlossene Schulen, zu wenig Benzin, zu wenig Brot. Die Brotschlange ist zum Sinnbild der sudanesischen Situation geworden – Stunden steht man an, um eine Portion Brot kaufen zu können.

Trotz Druck der UNO, EU, der Afrikanischen Union und vieler weiterer Länder nimmt die USA den Sudan nicht von der Liste der staatlichen Sponsoren des Terrorismus (SST), was drastische Auswirkungen für das Land zur Folge hat. Neben weiteren Einschränkungen verbietet die Liste Wirtschaftshilfe, darunter auch Darlehen von der Weltbank und anderen internationalen Finanzinstitutionen. Aufgrund dessen kann der Sudan von der dringend benötigten Hilfe der Weltbank zur Bekämpfung von COVID-19 in den 25 ärmsten Länder der Welt nicht profitieren.

Das schlechte Gesundheitssystem wird durch die Pandemie noch weiter überlastet. Die offiziellen Fallzahlen zu Covid-19 sind zwar nach wie vor relativ niedrig, allerdings wurden bisher auch nicht viele Menschen im Sudan getestet. Die Lage ist angesichts der massiven medizinischen Unterversorgung vor allem auf dem Land äußerst fragil. Auch die momentane Ausgangssperre, die auf zunächst drei Wochen angesetzt ist, trifft die Menschen hart. Viele leben von der Hand in den Mund und wissen nun schlichtweg nicht, wie sie ohne ihre tägliche Arbeit überleben können.

Wir wollen den Menschen in unserer Projektregion mit Soforthilfe in Form von Hilfsgütern und zur Ausstattung unserer Gesundheitsstation beistehen. Dazu bereiten wir gerade ein Antrag vor, über den wir weiter berichten werden.